Frühjahrsworkshop am 9. Mai 2018

Frühjahrsworkshop am 9. Mai 2018

14. KROPF Solutions Frühjahrsworkshop – ein Rückblick

Was haben große Automobil-Hersteller, mittelständische Handwerksbetriebe und kleine Familienbrauereien gemeinsam? Sie alle sehen sich in ihren Produktionsprozessen mit der Digitalisierung der Industrie konfrontiert und suchen nach individuellen Lösungen für ihre Anforderungen. Und sie alle kommen immer wieder gerne nach Hof, wenn Werner Kropf zum Frühjahrsworkshop einlädt.

Kropf Solutions mit Sitz in Oberkotzau und Niederlassungen in Tschechien und Ungarn hat sich seit der Firmengründung im Jahr 1995 als Software-Spezialist für industrielle Automation in ganz Europa einen Namen gemacht. Den ersten Frühjahrsworkshop stellte Geschäftsführer Werner Kropf im Jahr 2004 auf die Beine – schon damals im Theater Hof; schon damals mit hochkarätigen Referenten und anspruchsvollen Themen.

„Das war schon eine ambitionierte Aufgabenstellung“, erinnert sich der Unternehmer. „Damals hatten wir rund 20 Mitarbeiter und keinerlei Erfahrung mit solchen Großveranstaltungen.“ Die etwa hundert Gäste jedoch waren begeistert – und sind es bis heute. Für sie ist der Workshop eine wertvolle Informations- und Networking-Plattform, für Werner Kropf eine lieb gewonnene Tradition, die nicht nur der Kundenbindung dient: „Eine der Zielsetzungen war es schon immer, auch Leute von weiter weg in unser schönes Hof zu bringen. Ich bin viel in der Welt unterwegs, aber ich liebe unsere lebenswerte Heimat Oberfranken.“

Aus Salzburg waren die Referenten Irina Mader und Christian Feitler von der Firma COPA-DATA nach Hof gekommen, um neue Features der Software-Lösungen zenon Supervisor und zenon Analyzer vorzustellen. „Mit dem Analyzer können Sie wie mit einer Kristallkugel in die Zukunft sehen“, versprach Irina Mader. Das Programm kann nicht nur Informationen aus Produktionsprozessen auswerten und visualisieren, sondern auf der Basis der gesammelten Daten auch Vorhersage-Modelle erstellen. Wartungsbedarf beispielsweise könne man so erkennen, noch bevor Probleme in der Produktion eintreten.

Die Brücke zwischen Theorie und Praxis schlugen Kropf-Mitarbeiter Frank Munzert und Marko Bräutigam von den Chemiewerken Bad Köstritz mit ihrem Vortrag über die Einführung eines neuen Produktionsleitsystems in den Chemiewerken. Bräutigam sah sich in dem schnell wachsenden Unternehmen mit vier eigenständigen Produktionslinien konfrontiert, erhielt keine vergleichbaren Daten und keine durchgängigen Informationen. Sein Anspruch an ein neues System: „Es sollte die komplexen zeitlichen und materiellen Abläufe unserer Produktion über alle Ebenen übersichtlich darstellen, so dass wir Stärken und Schwächen frühzeitig erkennen und rechtzeitig eingreifen können.“ Frank Munzert von Kropf Solutions schrieb die Bachelor-Arbeit seines Dualen Studiums der Angewandten Informatik über die Software-Einführung in den Chemiewerken. Nicht nur alle Produktionsdaten werden jetzt in einem Programm erfasst und übersichtlich grafisch aufbereitet. Auch der Energieverbrauch für die Medien Strom, Wasser, Erdgas, Dampf, Druckluft und Wärme wird automatisch ausgewertet.

Informatiker Munzert schätzt bei Kropf Solutions die familiäre Atmosphäre und das Gefühl, nicht nur eine Nummer zu sein. Gleichzeitig genießt er die Vielfalt, die ihm sein Beruf bietet, sehr: „Heute bin ich bei den Chemiewerken unterwegs und morgen in einem Automobilwerk. Ich kann jeden Tag etwas anderes aufbauen und europaweit mit den verschiedensten Firmen zusammenarbeiten.“

Herausforderungen und auch Chancen bietet die schnell fortschreitende Digitalisierung der Fertigungsindustrie reichlich. Anton Wiesner von der COPA-DATA-Niederlassung in Ottobrunn erläuterte den Begriff „Smart Business Solution“ am praktischen Beispiel der Automobil-Industrie: „Es geht darum, verwertbare und vor allem belastbare Daten zu sammeln und zur richtigen Zeit auf geeigneten Plattformen zur Verfügung zu stellen, damit auf deren Basis wichtige Entscheidungen gefällt werden können.“

Ein ebenso einfaches wie einleuchtendes Beispiel ist das digitale Schicht-Tagebuch: Tritt auf einer Produktionsstrecke ein Fehler auf, mit dem auch die Schicht zuvor bereits konfrontiert war, kostet es den Schichtleiter nur wenige Mausklicks, herauszufinden, wie die Kollegen das Problem schon einmal gelöst haben. Das spart wertvolle Zeit.

Über die Möglichkeiten, die die Digitalisierung im Bereich der Gebäudeautomation eröffnet, berichtete Jürgen Schrott von Beckhoff Automation in Nürnberg: „Sprach man früher von Gebäudeautomation, ging es um Heizung, Lüftung und Klimaanlage.“ Heute werden zusätzlich auch die Verschattung der Fassade, die Beleuchtung, Überwachung und Energiedatenerfassung digital gesteuert. Wie das in einem offenen System mit nur einer Steuerung für alle Elemente funktioniert, zeigte Schrott in seinem Vortrag und einem kurzen Film eindrucksvoll auf.

Nicht den Maschinen, sondern den Menschen widmete Matthias Hrachovec seinen Vortrag. Der Trainer und Coach war schon mehrfach beim Frühjahrsworkshop zu Gast und verstand es auch diesmal wieder, die Gäste mit seinem Referat über „Die Macht des Zuhörens“ zu fesseln. Hrachovec ist sich sicher: „Geld verdient man heute durchs Zuhören. Die Zeit der großen Redner ist längst vorbei.“

Richtiges Zuhören jedoch ist gar nicht so einfach. Allzu oft will der „Neandertaler in uns“ lieber seine persönliche Meinung Kund tun, dem Gegenüber ins Wort fallen, sich statt zuzuhören auf die eigenen Belange konzentrieren. Hrachovec ermunterte die Zuhörer, ihren Gesprächspartner genau zu beobachten, die richtigen Fragen zu stellen, und vor allem die „Macht des Schweigens“ zu nutzen: „Seien Sie ruhig noch ein paar Sekunden still, wenn der andere längst ausgeredet hat. Er wird sich genötigt fühlen, noch etwas zu erzählen. Und die besten Ideen sind oft die letzten.“

Werner Kropf jedenfalls hört seinen Kunden ganz genau zu. Deshalb hat er das Konzept des Frühjahrsworkshops überarbeitet und erstmals um ein Anwender-Seminar am Tag zuvor ergänzt. Er versprach: „Wir werden das beibehalten und eventuell noch ausweiten.“ Der schönste Lohn für seine Mühen: „Dass die Leute auch dann gerne zu uns kommen, wenn, wie heuer, die Konjunktur gerade brummt, wenn jeder den Schreibtisch voller Arbeit hat und eigentlich gar nicht weg kann…“